Mit dem Rauchen aufhören

 

Verwandte, Kollegen, Freunde, alles dieselbe Brut. Kaum hast du zu rauchen aufgehört, sagen sie voller Anteilnahme: “Also, ich finde es echt toll, daß du nicht mehr rauchst. Von zwei Packungen am Tag auf null. Das ist ein toller Willensakt. Also, ich könnte das nie.” Und dann zünden sie sich vor deinen Augen genüßlich eine an. Die Schweine. Die dreckigen nikotinabhängigen gelbfingrigen lungengeteerten Schweine rauchen eine, während du fast wahnsinnig wirst vor Entzug.

Du hast dich aus freien Stücken dafür entschieden, deine ungesunde Leidenschaft aufzugeben. Nun gut, die Tatsache, daß du jeden Morgen blutigen Auswurf hattest, hat deine Entscheidung erleichtert. Dazu kam der schwere Raucherhusten, ein Bein kurz vor der Amputation, deine linke Lungenhälfte fast verloren. Kleiner Spaß. Dir hat nichts gefehlt. Abgesehen von dem bißchen Husten warst du immer gesund. Ein glücklicher Mensch.

Du hast regelmäßig mit dem Rauchen aufgehört. Es war fast schon eine Passion von dir, im Frühjahr und Herbst rituell mit dem Rauchen aufzuhören. Du hast dich beim Fitnessclub angemeldet. Du warst abends joggen, bist wieder öfters ausgegangen, kamst dir wahnsinnig jung vor. Dann hattest du Streß mit deiner Frau. Ärger in der Arbeit. Und hast wieder angefangen. Dann hast du dir eines dieser Schlußmachbücher gekauft. Bis Seite 212 gelesen und den Schlußstrich gezogen. Du hast sehr bewußt deine letzte Zigarette geraucht.

Ein Stück von dir ist gestorben. Der Draufgänger. Der unspießige Teil. Du hast mit dem Rauchen angefangen, als du fünfzehn warst. Mit deinen Freunden. Mit ein paar Zügen warst du plötzlich erwachsen. Du hast geraucht, weil du auch bei den Coolen in der Raucherecke stehen wolltest. Abends beim Saufen. Die Zigarette danach. Kiffen. Jetzt hast du die Sucht besiegt. Aber du hast auch den Cowboy in dir getötet. Du wirst länger leben. Aber flacher.

< noch ‘n Gedanke >